Warum gähnen wir und warum ist es ansteckend?

Ob Säugling oder Senior - wir alle gähnen täglich. Aber was ist der Grund dafür und wieso wirkt das Gähnen oftmals ansteckend auf das Umfeld? Diesen Frage gehen wir im Folgenden ebenso nach, wie der normalen Häufigkeit und Faktoren, die das Gähnen beeinflussen können.

Warum gähnen wir?

Obwohl es sich bei dem Gähnen um ein alltägliches Verhalten handelt, ist der genaue Grund dafür noch nicht erforscht. Es scheint aber so, als ließe sich keine einzelne Ursache finden. Stattdessen wird das Gähnen gleich mit mehreren Funktionen in Verbindung gebracht. Durch Beobachtung und Studien ergaben sich verschiedene Hypothesen.

Warum gähnen wir Menschen eigentlich?

Warum gähnen wir Menschen eigentlich?

So soll Gähnen unter anderem einen kühlenden Effekt auf das Gehirn haben. Die Aufnahme von kühler Luft wird gesteigert und könnte daher die Temperatur leicht senken. Da das Gehirn im kühlen Zustand besser arbeitet, steigert Gähnen also die Aufmerksamkeit und die Leistungsbereitschaft. Das erklärt beispielsweise, warum Menschen besonders häufig morgens nach dem Wachwerden oder abends gähnen, wenn sie sich wachhalten. Die Hypothese zeigt auch, wie sinnvoll das "ansteckende" Gähnen ist. Denn auf diese Weise wird die Aufmerksamkeit einer Gruppe gesteigert.

Eine weitere Hypothese bezieht sich auf den Druckausgleich zwischen der Umgebung und dem Mittelohr. Bei Erkältungen, anziehenden Gewittern, in Flugzeugen oder beim Tauchen kann es notwendig werden, den Druck bewusst oder häufiger auszugleichen. Das Gähnen hilft ebenso wie Schlucken dabei, diesen Ausgleich herzustellen.

Die dritte Hypothese beschäftigt sich mit Emotionen und Empathie. Während des Gähnens werden Bereiche im Gehirn aktiviert, die für das autobiografische Gedächtnis verantwortlich sind. Das könnte zum einen bedeuten, dass während des Gähnens Emotionen und Probleme verarbeitet werden. Zum anderen könnte es für einen empathischen Umgang mit Situationen und anderen Menschen sprechen. Für die emotionale Verarbeitung durch das Gähnen gibt es durchaus Anzeichen. So gähnen Menschen beispielsweise häufiger in Stresssituationen und bei Aufregung. Allerdings finden sich hierzu bisher keine Studien, sondern lediglich Berichte.

Ebenso kann das Gähnen aber auch ein Ausdruck von Langeweile sein. Wer sich gerade langweilt aber wachhalten muss, gähnt häufiger als bei interessanten Tätigkeiten. Dadurch wird das Gähnen teilweise auch instrumentalisiert, um Langeweile zu signalisieren.


Warum ist das Gähnen ansteckend?

Auch hierzu gibt es wiederum verschiedene Hypothesen aber keine einzelne Erklärung. Die beiden wichtigsten Erklärungsversuche beziehen sich auf die Spiegelneuronen und damit das Einfühlungsvermögen sowie auf die Synchronisierung von Gruppen.

Sind Spiegelneuronen, Einfühlungsvermögen und damit die Empathie stark ausgeprägt, lassen sich Menschen und auch andere Säugetiere schneller vom Gähnen anstecken. Das gilt vor allem dann, wenn die Augen des Gähnenden zu sehen sind oder das Gähnen gehört werden kann. Hunde reagieren dabei besonders intensiv auf die Stimme ihrer Halter. Körperliche Anwesenheit ist dafür nicht erforderlich. Videoaufnahmen oder -übertragungen sind ausreichend. Im Gegensatz reagieren Menschen mit geringer Empathiefähigkeit - sei es durch Autismus oder Schizophrenie - nicht auf das Gähnen anderer.

Die Synchronisierung von Gruppen ist (evolutionär bedingt) ebenfalls hilfreich, wenn beispielsweise eine größere Herausforderung ansteht, Gefahren drohen oder zur Zusammenarbeit ein Gleichklang notwendig ist. Diese Synchronisierung durch das Gähnen lässt sich wiederum nicht nur bei Menschen beobachten, sondern auch bei einigen Tierarten.

Hinweis: Bei manchen Menschen reicht es bereits aus, über das Gähnen zu lesen um es hervorzurufen.


Wie viel Gähnen ist normal?

Menschen gähnen etwa achtmal täglich. Die Anzahl kann aber abhängig von Alter, aktueller Stressbelastung, eventuell bestehenden Krankheiten, der Einnahme von Medikamenten variieren. Das Geschlecht spielt hingegen keine Rolle.

Eine wichtige Orientierung ist es zudem, die durchschnittliche Dauer und Häufung des Gähnens zu kennen. 3,5 bis 6 Sekunden dauert das Gähnen in der Regel und tritt in Intervallen auf. Innerhalb weniger Minuten kann also mehr gegähnt werden, als am Rest des Tages. Morgens tritt das Gähnen zudem vermehrt in Kombination mit Strecken auf. Zudem wird der Tränenfluss während des Gähnens angeregt. Das ist zum einen sinnvoll, während des Wachbleibens als auch beim Wachwerden - denn dann sind die Augen feuchter als beim Schlafen.


Fazit

So normal das Gähnen auch ist und so häufig es auftritt, sind Ursachen und Funktionen doch noch vergleichsweise wenig erforscht. Viele Hypothesen beruhen auf reinen Beobachtungen.

Viel wichtiger als die Gründe für das normale Gähnen sind aber plötzliche Steigerungen der Häufigkeit und der Dauer. Denn dies könnte ein Hinweis auf eine bestehende Krankheit sein.

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